Stiften. Ein Plus für alle.

Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup

Die Evangelische Kirche steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Als Volkskirche will und muss sie für alle Menschen erreichbar sein. Um diesem Anspruch und dieser Aufgabe gerecht zu werden, arbeitet sie stetig daran, ihr Angebot offener Kirchen, Kindergärten, Schulen, Diakonie- und Bildungseinrichtungen aufrecht zu halten oder, wo möglich, sinnvoll auszubauen.

Denn die Verkündigung der Botschaft Gottes in Wort und Tat beinhaltet, für den Menschen als Gottes Geschöpf einzutreten; ihn in seiner sozialen Gemeinschaft individuell zu fördern und den Wunsch des Einzelnen nach einem Platz in dieser Gemeinschaft, also nach Verwurzelung und Identität in ihr, ernst zu nehmen.

 

Dies ist keine einfache Aufgabe: Rationalisierungszwänge aufgrund steigender Kosten und sinkender Wirtschaftlichkeit sind in der Regel die Begründungen für das Zusammenlegen von Schulen, Zentralisieren von Behörden, Schließen von Postämtern und Bankfilialen. Die damit einhergehende zunehmende Verlagerung vieler Dienstleistungen ins Internet oder in entfernte Zentralen sowie das Fortschreiten der Virtualisierung unseres Alltages verändern die Lebenswelten der Menschen grundlegend.

 

Von Einsparmaßnahmen ist auch kirchliche Arbeit bedroht. Es ist absehbar, dass Kirchensteuereinnahmen langfristig sinken werden, wenngleich in den letzten drei Jahren die Zeichen noch auf Entspannung standen. Rein wirtschaftliches Handeln würde für die Kirche bedeuten, mit Einschränkungen in ihren Arbeitsfeldern zu beginnen oder sich sogar aus diesen zurückzuziehen. Dem Druck will die Kirche so weit und so lange wie möglich widerstehen.

 

Stiftungen helfen, Zukunft zu sichern

Stiftungen sind ein sichtbares Zeichen und ein immer wichtigeres Instrument, um ein vielfältiges kirchliches Leben vor Ort zu erhalten. Sie werden für viele Kirchengemeinden und kirchliche Aufgaben eine bedeutende Finanzierungsquelle werden, um die heute noch selbstverständlich erscheinenden Angebote kirchlicher Arbeit weiterhin aufrecht zu erhalten und künftige gestalten zu können. Denn Kirche soll und will sich nicht zurückziehen!

 

Stiftungen sind durch ihre auf Langfristigkeit angelegte Ausrichtung überdies auch ein zukunftsorientiertes Element. Sie gewähren Sicherheit über viele Jahre und machen die Zukunft planbarer. Ob eine Stiftung zur Sicherung der Kantorei, der Finanzierung der Jugendgruppe oder dem Erhalt des Kirchengebäudes dient – durch Stiftungen bleibt Kirche vor Ort und im Ort präsent. Und das muss sie auch, denn die Kirche ist ein unverzichtbarer und überaus bedeutsamer Bestandteil der christlich sozialen und kulturellen Identität unserer Gesellschaft.

 

Nicht ohne Grund fordert das EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit im 21. Jahrhundert“ als Perspektive für das Jahr 2030, dass die evangelische Kirche neben der Kirchensteuer als ihrer Finanzbasis auch eine projektbezogene Finanzierung durch Fördervereine, Kirchbauvereine, Fundraising und eben Stiftungen etabliert haben solle.


Jede Gemeinde ihre Stiftung

Ideal wäre es, wenn jede Kirchengemeinde, die nicht unter unmittelbaren Finanzierungszwängen für ein konkretes Projekt steht, die Gründung einer Stiftung ins Auge fassen würde, um die Elemente ihrer Arbeit, die von besonderer Bedeutung sind oder sie besonders auszeichnen, nachhaltig zu sichern.

 

An dieser Stelle möchte ich neben unseren Kirchengemeinden auch Privatpersonen und Unternehmen herzlich dazu einladen, den Stiftungsgedanken aufzugreifen und die Stiftungsinitiativen der Gemeinden zu fördern oder besser noch, aktiv mitzugestalten. Bringen Sie sich ein, gehen Sie stiften, denn Kirche gestaltet sich durch die Menschen, die Kirche mitgestalten. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit für Sie, über Ihre eigene Stiftung mit selbst gewählten Schwerpunkten oder Zustiftungen die Kirche in der Umsetzung ihres Auftrages zu unterstützen und zu festigen.

 

Dies ist viel einfacher, als Sie denken: Die Evangelische Landeskirche in Württemberg bietet unter dem Dach ihrer Landeskirchenstiftung zahlreiche kostenlose Serviceleistungen an, von der allgemeinen Stiftungsberatung, über die rechtliche Ausarbeitung einer Stiftungssatzung, der Stiftungsverwaltung und Rechnungsprüfung bis hin zur Geldanlage und der Gewinnung von weiteren Zustiftern.

 

Ich möchte Sie ermutigen, diese Chance zu ergreifen. Natürlich bedarf die langfristige Bindung von Kapital sorgfältiger Vorüberlegungen und Entscheidungen. Nehmen Sie sich die Zeit und informieren Sie sich unverbindlich bei unseren Mitarbeitern der Initiative der Landeskirche „Stiften macht Sinn“, die Sie gerne beraten und unterstützen.

 

Ihr

Dr. Martin Kastrup
Oberkirchenrat