So stiften Sie selbst

Wer stiftet, gestaltet selbst. Denn entscheidend ist, was Sie als Stifter oder Stifterin wollen. Sie bestimmen, welche Zwecke die Erträge des gestifteten Vermögens verwirklichen sollen. 

 

Stiftungszwecke können sein: Die Arbeit einer Kirchengemeinde, ein diakonischer Dienst, die Stelle eines Jugendreferenten, die Erhaltung eines Kirchengebäudes – und vieles mehr, denn vieles ist möglich. Das Mögliche wird wirklich, weil Sie als Stifterin oder Stifter persönliches Vermögen mit einem Sinn verbindet, der Ihnen wichtig ist. Deshalb gilt: Stiften macht Sinn.

 

Beispiel: So begründete eine Stifterin ihr Engagement: „Mit meiner Kirche und Gemeinde bin ich seit Kindheit verbunden. Dort wurde ich getauft, konfirmiert, habe ich geheiratet und viele schöne Gottesdienste gefeiert und Konzerte gehört. Solche Erfahrungen wünsche ich auch den kommenden Generationen, deshalb stifte ich für den Erhalt der Kirche und für das Gemeindeleben.“

Altar der Herrgottskirche Creglingen

Formen einer kirchlichen Stiftung.
Wollen Sie eine kirchliche Stiftung errichten, also eine enge Beziehung zur Kirche und ihrem Wirken herstellen, dann machen Sie entweder a) eine rechtsfähige (selbstständige) Stiftung oder b) eine nicht rechtsfähige (unselbstständige) Stiftung. Im Fall a) ist die Stiftung eine eigene Rechtsperson. Im Fall b) übereignen Sie die Stiftung einer kirchlichen Institution – Kirchengemeinde, Kirchenbezirk, kirchliche Einrichtung, Landeskirche – zur Verwaltung. In beiden Fällen kümmert sich der Evangelische Oberkirchenrat um Beratung, Genehmigung und Aufsicht. Beide Stiftungsarten können eigene Organe haben, etwa einen Vorstand oder einen Stiftungsrat, welche den Willen der Stifterin oder des Stifters sicherstellen.

 

So entsteht eine kirchliche Stiftung.
Damit eine kirchliche Stiftung entsteht, tätigen Sie das so genannte Stiftungsgeschäft. Das Stiftungsgeschäft ist ein schriftlicher Akt. Darin legen Sie Folgendes fest: die Satzung, den Namen, den Sitz, den Zweck, die Rechtsform, das Vermögen und die Organe der Stiftung. Wird die Stiftung zu Lebzeiten errichtet, kann der Stifter sie persönlich begleiten und gestalten. Wird die Stiftung per Testament oder Erbvertrag verfügt, bleibt das Vermögen in der Hand des Stifters bis zu seinem Ableben und wird danach wirksam. Das Stiftungsgeschäft und damit auch die Stiftung wird über den Evangelischen Oberkirchenrat und gegebenenfalls das Kultusministerium anerkannt. 

Beispiel: So könnte ein Stiftungsgeschäft formuliert werden:

Stiftungsgeschäft über die Errichtung der Stiftung Glaubenskirche in Musterstadt: Hiermit errichte ich (Vorname Nachname) die Stiftung Glaubenskirche Musterstadt. Die Stiftung soll ihren Sitz in Musterstadt haben. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Glaubenskirche, insbesondere die Erhaltung und Gestaltung der Kirche wie auch die Förderung von Gottesdiensten, Konzerten und anderen kirchlichen Veranstaltungen in der Glaubenskirche. Die Stiftung wird als unselbstständige kirchliche Stiftung in der treuhänderischen Verwaltung der Evangelischen Glaubensgemeinde Musterstadt geführt, deren Kirchengemeinderat das Stiftungsorgan ist. Die Stiftung wird mit folgendem Vermögen ausgestattet (Nennung der Vermögensarten und -werte). Die weiteren Einzelheiten sind in der nachfolgenden Satzung geregelt, die Bestandteil des Stiftungsgeschäfts ist. Ort, Datum, Unterschrift des Stifters/der Stifterin.

 

Der Name der Stiftung.
So unverwechselbar wie ein Name mit einer Person verbunden ist, so unverwechselbar eindeutig kann auch eine Stiftung benannt werden. Dann trägt die Stiftung beispielsweise den Namen einer Kirche oder einer Einrichtung. Eine schöne Variante ist auch, den Zweck der Stiftung in die Bezeichnung aufzunehmen. Oder die Stiftung enthält den Namen der Stifterin oder des Stiftern. Und es ist möglich, die Stiftung zum Gedenken an jemanden mit dessen Namen zu versehen. 

Beispiel: Stiftung Martinskirche Sindelfingen, Stiftung Hospitalhof Stuttgart, Stiftung Wort und Tat (Ostfildern), Robert-und-Birgit-Marx-Stiftung (Schorndorf).

 

Unter www.landeskirchenstiftung.de gewinnen Sie einen Überblick über zahlreiche Stiftungen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Dort finden Sie möglicherweise Vorbilder für Ihre eigene Stiftung. Zugleich nehmen diese Stiftungen Zustiftungen an, was ein guter Weg ist, (Zu)Stifter/in zu werden, ohne selbst eine Stiftung zu errichten.

 

Die kirchliche Gemeinschaftsstiftung.
Es ist auch möglich, dass eine Kirchengemeinde, ein Kirchenbezirk, eine kirchliche Einrichtung oder die Landeskirche eine Stiftung gründen will. Um dieser Stiftung zu Vermögen zu verhelfen, wird in der Regel um so genannte Gründungsstifter und -stifterinnen geworben. Sie überlassen der Stiftung finanzielle Zuwendungen und bauen damit gemeinschaftlich das Anfangsvermögen auf. Das Anfangsvermögen sollte, weil nach Stiftungserrichtung allein die Erträge des Stiftungsvermögens verwendet werden dürfen, mindestens 50.000 Euro betragen.

 

Die Zustiftung.
Wer keine eigene Stiftung gründen, sondern eine bestehende Stiftung fördern will, kann ihr eine Zustiftung zukommen lassen. Im Unterschied zur Spende, werden Zustiftungen nicht zeitnah ausgegeben, sondern – genau wie die Gründungsstiftungsbeiträge – ins Vermögen der Stiftung überführt.

 

So wirkt eine Stiftung.
Das Stiftungskapital, auch Stiftungsvermögen oder Grundstockvermögen genannt, bleibt ungeschmälert erhalten. Allein die Erträge, in der Regel Zinsen, werden für den Stiftungszweck verwendet. Dank des Erhalts des Stiftungskapitals, lässt sich der Stiftungszweck dauerhaft erfüllen.

 

Stadtkirche Geislingen

Die steuerlichen Vorteile.
Kirchliche Stiftungen sind außerordentlich steuerbegünstigt. Nach neuester Gesetzgebung genießen Stifter/innen, Gründungsstifter/innen wie auch Zustifter/innen besondere Steuervorteile.
1. Jede steuerpflichtige Person kann Zuwendungen an eine (neue oder bestehende) Stiftung in einer Höhe von bis zu 20 Prozent der jährlichen Gesamteinkünfte steuermindernd geltend machen.
2. Zusätzlich können Zuwendungen ins Kapital einer (neuen oder bestehenden) Stiftung in einer Höhe von bis zu 1 Million Euro steuerlich geltend gemacht werden; wobei diese eine Million frei auf zehn Jahre verteilt werden kann.
3. Finanzielle Mittel, die in eine Stiftung gegeben werden, sind schenkungs- bzw. erbschaftssteuerfrei; lösen bei Privatpersonen auch keine Umsatzsteuer aus. Erben können diesen Vorteil noch innerhalb von 24 Monaten nach dem Erbfall geltend machen, wenn sie das geerbte Vermögen an eine Stiftung geben.

Textbild der Landeskirchenstiftung

Die Vorzüge einer Stiftung.
Die Vorzüge einer Stiftung lassen sich so zusammenfassen: Das Vermögen ist sicher, der Zweck ist gewiss, die Stiftung wirkt dauerhaft, und Zuwendungen sind steuermindernd.

 

Diese Vorzüge treffen auch auf die "Stiftung der Evangelischen Landeskirche" (kurz: Landeskirchenstiftung) zu. Stiftungen von Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen wie auch kirchliche Stiftungen von Privatpersonen und Unternehmen können mithilfe der Landeskirchenstiftung (sei es in beratender Funktion, sei es als Trägerin) errichtet werden. Lesen Sie hierzu mehr unter www.landeskirchenstiftung.de

 

Weitere Informationen:
Evangelischer Oberkirchenrat, Christian Schuler, Gänsheidestraße 4, 70184 Stuttgart, E-Mail: Christian.Schulerdontospamme@gowaway.elk-wue.de
Evangelische Landeskirche / Fundraising, Helmut Liebs, Augustenstraße 124, 70197 Stuttgart, E-Mail: Helmut.Liebsdontospamme@gowaway.elk-wue.de